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Berichte -
"Wo die Schwerter fliegen Kap Verden Mai 2010"
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Wo die Schwerter fliegen Kap Verden Mai 2010 (von Jens Feißel)
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Wie oft wir in bierseligen Anglerrunden über das einmal im Leben einen Blue Marlin fangen gesprochen haben weiß ich nicht mehr.
Mit dem deutschen Big Game Guide Olaf Grimkowski(Grimmel) sollte dieser Traum in Erfüllung gehen. Die Kapverdischen Inseln vor Westafrika sind seit Jahren als das Toprevier gerade im April / Mai bekannt.
Nach aufwendiger Fluglogistik mit Zwischenübernachtung auf der Insel Sal landeten wir Mitte Mai diesen Jahres auf Sao Vicente. Die Marina von Mindelo in unmittelbarer Umgebung ansprechender Hotels mit einem sehr belebten Stadtzentrum hat sich zum Starthafen einer recht umfangreichen Big Game Flotte entwickelt.
Voller Vorfreude und mit steigendem Puls durch die flatternden Fähnchen mit Marlin-, Doraden- und Thunmotiven die die Fangerfolge des Vortages auf den Schiffen signalisierten, wurden wir von unser Crew auf der Andromeda in Empfang genommen.
Die Sonne brutzelte gnadenlos am Himmel und mit 2 x 670 PS steuerte uns Marlincaptain Les Gallegher durch die Meerenge zwischen Sao Vicente und Santo Antao auf den gischtschäumenden Antlantik.
Zu beiden Seiten der Inseln fallen die Unterwasserkanten erst 200, später bis 2000 Meter ab. Je nach Strömung und Windrichtung sammelt sich dort der Futterfisch.
Nach kurzer Anfahrt legten Olaf und unser Mat Louis jeweils links und rechts hinter dem Boot die Lures aus. Die beiden inneren auf der ersten Bugwelle hinter dem Boot, zwei weitere über die Outrigger etwas versetzt dahinter.
Olaf der schon hunderte Marlins seinen Gästen weltweit ans Band spielte, fischt überwiegend die nach Ihm benannten Grimmels die von der Neuseeländischen Firma Bonze vertrieben werden. Die Köder müssen eine Blasenspur erzeugen und dürfen auf den Wellen nicht springen.
Ich überlegte mir was da gleich auf mich zukommen wird, hatte nochmal die spektakulären Bilder der Videos vom Big Game Fischen vor Augen und 2 Stunden später passiert der Wahnsinn zum ersten Mal.
Wir waren etwas in Müdigkeit durch die lange Anreise und grelle Sonne versunken, da beißt nicht etwa ein Blue Marlin. Nein gleich ein Doppelstrike die 80er Sufix rast von den 80W Tiagras wie ein Düsenjet auf der Flucht und der Hammer ist, der Captain fährt mit Vollgas den Fischen rückwärts entgegen.
Die Wellen schlagen hinten über das Heck und schon beim fixieren der Rute im Stuhl nehme ich mit Olaf die erste Salzwasserdusche. Neben mir am Heck hat Heiko die Hand fest an der Shimanokurbel aber nichts geht beide Fische waren nicht zu bremsen, schossen in atemraubenden Sprüngen zeitgleich weit hinter dem Boot aus dem Wasser, um danach wieder mit Vollspeed auf Tiefe zu gehen.
Als unsere Gegner etwas nachließen hieß es kurbeln was die Arme hergeben. Man freut sich über jeden Meter eroberte Schnur, den dir der Fisch aber schnell wieder um das mehrfache abnimmt. Dann kommt der Punkt an dem Du über jede gelungene Kurbelumdrehung froh bist.
Mein erster Blue Marlin stieg aus, somit rutschte Heiko in den Kampfstuhl und konnte einige Zeit später den ersten blauen Schwertträger bis auf Vorfachlänge an das Boot holen. Wie international üblich gilt der Fisch als gefangen wenn der Guide das 2,5mm starke Vorfach berührt.
So schonend wie möglich erfolgt das Abhaken neben dem Boot und das Entlassen in die Freiheit. Üblicherweise werden manchmal Grander (Blue Marlins ab 1000 Pfund) entnommen. Dem Captain obliegt es das Gewicht zu schätzen und Les Gallegher kann das auf Grund seiner langjährigen Erfahrung sehr genau.
Wir klatschen unseren platten Heiko für seinen 400Pfund Marlin ab. Es war schön am Abend die Eindrücke bei Cappachio vom Wahoo und gegrillten Langusten zu verarbeiten.
Tag 2 wieder reichlich Wind und bis zu 3 Meter hohe Wellen aber für die Andromeda kein Thema mit routinierter Gelassenheit legen Olaf und Louis die Ruten aus.
So langsam begannen wir alles mal so richtig zu geniessen, die schroffen Felsen der Vulkaninseln in der bizzarren Küstenlandschaft, die von den Brechern des Atlantiks auswaschen vor uns lagen.
Die Weite des Meeres bei strahlendem Sonnenschein und Gunnar der nach einem Hammerstrike am linken Outrigger seinen traumhaft schönen ersten 350 Pfund Blue Marlin drillt.
Wobei es auch richtig Spaß macht mit zwei Kumpels bei kaltem Dosenbier auf der Flybridge ein paar dumme Bemerkungen zu machen, wenn der Kleine sich da unten auf dem Kampfstuhl abstrampelt.
Auch Frank der eigentlich sehr vieles im Leben schon gemacht hat außer zu angeln aber mitkam um viel Spaß mit uns zu haben gewann an diesem Tag seinen ersten Fight mit einem 300 Pfünder und der Bemerkung während des Drills Das ist kein Fisch Das ist ein Bär!
Voller Begeisterung mit Eindrücken springender Schwertträger ließen wir den Tag bei einigen Cuba - Libres ausklingen.
Tag 3 - Der Wind hat etwas nachgelassen, in spannender Erwartung ging es auf See. Nach einer Stunde der erste Strike aber leider ist der Fisch nach einer kurzen Flucht ausgestiegen.
Kurz darauf fing eine Tiagra wieder an zu singen, der Fisch geht erneut verloren bevor wir die Rute überhaupt in der Hand haben. Jetzt kam Olaf ins Spiel. Mit seiner ruhigen abgezockten Erfahrung zog er die ausgelöste Schnur mit dem tanzenden Lures langsam zum Boot.
Dahinter sahen wir plötzlich eine Rückenflosse an der Oberfläche. Olaf stoppte kurz den Köder - der Fisch biss einmal, blieb nicht hängen, das Spiel wiederholte sich nochmals und beim dritten Versuch schoss die Schnur hinaus in den Atlantik. Ich konnte mich über einen rasanten Drill freuen.
Louis griff sicher das Vorfach um den 300Pfund Marlin abzuhaken, dieser schoss aber nochmal alles gebend seitlich vom Boot in die Tiefe und verabschiedete sich köderabwerfend mit einem rasanten Sprung hinter dem Boot. Einfach nur geil.
Unsere Erwartungen, dass jeder einen Blue Marlin fängt waren nach zweieinhalb Angeltagen bereits erfüllt. Erschöft aber glücklich setzte ich mich zu Les auf die Flybridge, sah den Ködern hinter dem Boot zu, als etwas schwertähnliches in einer schlagartigen Bewegung durchs Wasser rollend mit einem der Köder in der Tiefe verschwand.
Ich glaube noch vor dem Kreischen der Bremse Fisch geschriehen zu haben, in der Überzeugung ein großer Marlin hat zugeschlagen. Heiko war dabei alles zu geben. Allerdings war das Verhalten des Fisches doch etwas anders.
Er stand lange unten, direkt hinter dem Boot, aber ließ sich dann mühselig nach oben pumpen. Schon bekam ich den ersten Spruch wegen zu viel Sonne und Cuba Libre. Ein prachtvoller 150 Pfund Yellowfin kam langsam an die Oberfläche, wurde von Olaf sicher gegafft und an Bord gehievt.
Ich werde mir die Nummer mit dem Schwert wohl noch sehr lange anhören müssen. Heiko war überglücklich. Wir durften uns alle auf Thunfischsteaks am Abend freuen.
Tag 4 Traumwetter wenig Wind Louis verwöhnte uns mit den leckeren Thunfischsandwichs nicht ein Biss kein Problem das ist Angeln.
Tag 5 Inzwischen sind wir braungebrannt und nach einer heißen Disconacht mußte Fränki schon nach einer Stunde in den Kampfstuhl um für uns das beste Frühstücksfernsehen aller Zeiten abzuliefern. Unbändig schoss der Marlin in die Tiefe, wurde von Frank fast auf Vorfachdistance ans Boot gedrillt , zog dann schlagartig am Boot vorbei. Les musste plötzlich die Hebel nach vorn schieben damit der Fisch uns nicht überholt.
Olaf drehte mit höchster Konzentration den Kampfstuhl immer wieder in die Richtung des unermüdlich kämpfenden Fisches, wobei Frank an der Tiagra alles gab um die Schnur auf Spannung zu halten. Stolze 390 englische Pfund legte Les für diesen großen Kämpfer fest, bevor dieser nach einem kurzen Hieb seiner Schwanzflosse in der Tiefe versank.
Zwei sichtbare Rückenflossen hinter dem Boot und ein weiterer Strike ließen auch diesen Tag zu Ende gehen. Aus Erfahrungen mit unseren Gästen beim Team Bodden Angeln kann ich über Erlebnisse des letzten Angeltages wohl ein ganzes Buch schreiben.
Das sollte auf den Kap Verden nicht anders kommen.
Wir hatten wieder etwas mehr Wind mit schäumenden brechenden Wellen aber so ein gewisses Gefühl heute geht nochmal was. Gegen Mittag plötzlich 2 Fische hinter dem Boot ein Strike aber keiner blieb hängen.
Kurz darauf aus dem nichts ein knallharter Biss der Fisch sitzt Gunnar springt auf den Stuhl und genießt nochmals diesen einmaligen Drill. Olaf und Louis bergen die anderen Ruten.
Plötzlich ruft Les von der Flybridge Big Fish on the Boat!. Ein großer Marlin ist den Lures bis einen Meter hinter das Heck gefolgt.
Geistesgegenwertig reißt Olaf ein paar Meter Schnur von einer Rolle, schmeißt den Köder rein, der Fisch knallt rauf und zieht endlos in die Tiefe. Wir fummeln die Rute mit kreischender Bremse unter Gunnars durchgebogener 80 lbs CMW hindurch und sichern das Teil erst mal im Rutenhalter rechts am Heck.
Gnadenlos peitschen die Salzwasserduschen über das Heck. Ich versuche die Schnur zum Fisch unter Spannung zu halten. Gunnar neben mir gibt alles und fängt seinen 300 Pfünder.
Ich steige um in den Kampfstuhl und sehe eine zu zweidrittel leere Spule vor mir. Der Fisch wollte nicht nachgeben. Mit jeder Heckwelle nehme ich einen Schluck Salzwasser.
Die Jungs versorgen mich zwischendurch mit der Wasserflasche. Vom Ehrgeiz zerfressen wollte ich diesen Fisch ans Boot holen. Wenn die Technik stimmt und man mit dem Gesäß die Rute über den Gurt im Stuhl hochzieht und beim Senken versucht Schnur aufzunehmen gelingt es ganz gut.
Nach endlosen Fluchten und mehrfachen Vorfachdistancen konnte Louis die Line greifen. Ich selber habe den Fisch einmal kurz gesehen bevor der 4mm starke VA Haken durchbrach.
Egal, er gilt als gefangen und Les legte sich auf 500 Pfund fest. Ich war nach fast einer Stunde Drill völlig alle. Es soll Leute gegeben haben die sich nach Marlindrills übergeben mußten.
Wer es nicht glaubt oder darüber lacht sollte auf die Kap Verden fliegen! Den krönenden Abschluss setzte dann nochmal Heiko mit einem 350 Pfünder der mit unendlichen Sprüngen hinter dem Boot uns allen zum Abschied nochmal zuwinkte.
Bilanz an 6 Angeltagen: 8 Blue Marlins und ein Gelbflossenthun.
Macht es wenn Ihr davon träumt man lebt nur einmal!
Jens Feißel
Die komplette Foto-Strecke gibt es auf unserer Foto-Pinnwand unter Gruppenreisen.
Es folgen hier noch zwei Drill-Videos. Wenn diese online sind informieren wir Euch!
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Wer auf die Kap Verden reisen möchte sollte sich auf eine zweitägige Anreise mit Zwischenübernachtung einstellen. Die Carbo Verde Airline ändert häufig kurzfristig Ihre Flüge zwischen den einzelnen Inseln oder lässt diese sogar ausfallen.
Hin und Rückflug mit Tui Fly ab Deutschland nach Sal oder Boa Vista z.B. ab Hannover rund 550.-Euro. Eine neue Inlandsfluggesellschaft auf den Cap Verden ist die Helicon - Arline die aber bisher nicht über das Ausland buchbar ist.
Eine sehr zuverlässige Ansprechpartnerin vor Ort ist die Deutsche Gerlinde Klos die auf dem Flughafen in Sal eine CITS Reiseagentur betreibt und sich um Hotel-und Flugbuchungen innerhalb der Kap Verden, als auch um Visabeantragungen für deutsche Gäste kümmert.
Kontakt: Gerlinde Klos Mail: sal@cits-cv.com Tel:00238 9919342
deutsche Anbieter für das Big Game Angeln auf den Kap Verden:
Olaf Grimkowski www.marlin-web.com
Mathias Henningsen www.atlanticfishingcharter.com Mail: mh211066@gmail.com
Ferdinand Worst www.ferdis-fishing-kapverden.de Tel: 00238-9872237 in Deutschland: 07273-3391
Berno Niebuhr www.capeverde-fishing.com Tel.00238/9915748 Mail: marlinberno@capeverde-fishing.com
Zeitverschiebung: minus 3 Stunden gegenüber der deutschen Zeit
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