 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
|
Pinnwand -
Berichte -
Bericht 1. Rügener Trollingtreffen 2007
|
[Navigator] |
 |
 |
| |
Bericht 1. Rügener Trollingtreffen 2007 (von Dr. Stefan Tews)
Schaprode, 27.-29.April 2007
|
| |
An einem kalten, regnerischen Abend im Februar wurde ich von meinen Freunden Jens Feißel und Heiko Schmidt bei einem kleinen Feierabenddrink gefragt, ob ich nicht Lust hätte mit Ihnen und Micha aus Hamburg als Team "AIBE" am 1. Rügener Trollingtreffen teilzunehmen.
Als absoluter Neuling in der Szene, der nur wenige Wochen zuvor sein erstes Silber mit Torsten aus der Ostsee ziehen konnte war ich spontan begeistert (Jens würde sagen infiziert) und die Sache war beschlossen.
|
|
|
Am 26. April fuhr ich also nach dem täglichen Broterwerb von Greifswald nach Schaprode zu Heiko, Micha und Jens die sich den Tag schon mal ein wenig 'eingetrollt' hatten.
Das stolze Ergebnis war ein von Micha gedrillter Lachs von 103cm und über 20 Pfund, was mich dann schon ein wenig neidisch machte. Schließlich hatte ich bis dato 'nur' einen Lachs von 85cm und eine Meerforelle von 60cm ins Boot holen dürfen. Der Abend wurde entsprechend entspannt und nach einigen Stunden Seemannsgarn und Anglerlatein im Radisson gingen wir voller Erwartungen wenig später in die Koje.
Früh morgens klingelte der Wecker, eigentlich viel zu früh, aber wir hatten noch Einiges vorzubereiten. Nach einem kurzen Frühstück bei Heike (DANKE) mussten wir schnell zum Hafen. Jens machte sich auf zum Skippermeeting, und wir anderen kümmerten uns um Boot und Ausrüstung. Als ich dann ein wenig Zeit hatte die Atmosphäre zu genießen war ich spontan angetan von diesem Ereignis. 32 ausgestattete Trollingboote und entsprechend motivierte Crews bescherten der Schaproder Marina eine Emsigkeit wie ich sie von meinen bisherigen Guidingtouren mit Robert oder Torsten nicht kannte.
|
|
Nach dem Skippermeeting steuerten die ersten Boote in Richtung Startpunkt. Wir fuhren wie in einem Convoi durch die engen Rinnen und waren natürlich heiß auf das Silber der Meere, salmo salar. Als endlich alle Boote den Startpunkt erreicht hatten hörten wir das Signal zum Start.
Ab jetzt hatten wir bis 19:00 Uhr Zeit, In Schaprode das Silber zum Wiegen zu bringen. Also den Hebel auf den Tisch und schon merkten wir, wie uns die 175 PS der "AIBE" in die Sitze drückten. Allein dieses Gefühl war die Teilnahme wert. Natürlich hatten wir unsere vorab avisierten Punkte, an denen wir es mit den Silberbarren aufnehmen wollten, und nachdem wir nach kurzer Zeit unser Gebiet erreicht hatten wurden Downrigger und Planerboards in Windeseile mit den vorher sortierten Ködern ausgelegt.
|
Dann begann es - die schönste Langeweile der Welt. Das Wetter spielte mit. Wir hatten einen spiegelglatten Teich und Sonne satt, so dass bald alle, dick mit Sonnencreme beschmiert, im T-shirt auf den Augenblick warteten, wenn die Bremse der Rolle dieses spontane Surren von sich gibt. Doch bis zum Nachmittag hatten wir immer wieder viele Dorsche, von denen wir einen schönen 73cm großen als Abendbrot mitnahmen, und etliche Hornfische, die unsere Haken für das Silber unerreichbar machten.
Das stete Einholen und neu Auslegen bescherte mir einen richtigen Arbeitstag, von dem ich nicht genug kriegen konnte. Gegen 15:30 beschlossen wir etwas mehr in Richtung Land zu steuern um damit den Rückweg etwas zu verkürzen. Ich war gerade damit fertig die Hornfische zu lösen und alles neu auszulegen, Heiko gab der "AIBE" die nötige, fein abgestimmte Geschwindigkeit, als das rechte, innere Planerboard wie eine Pose abtauchte und simultan die Rolle dieses süße Surren von sich gab. Sofort griff ich zur Rute und wusste, Silber am Haken.
|
Aber am Haken allein reicht nicht. Bei so einem Drill kann schließlich eine Menge passieren. Nur das richtige Gefühl für Rute, Bremse und Schnur, das perfekt passende Team, welches sich um Richtung und Geschwindigkeit des Bootes und das zügige Bergen der ausgelegten Ruten kümmert führen zum Erfolg.
Team "AIBE" war in diesem Augenblick perfekt. Dann erfolgte der erste Sprung des Tieres und wir wussten, dass hier ein kapitales Exemplar oberflächennah am Haken hing. Der Salmonide nahm regelmäßig wieder Schnur ab, ich dagegen mühsam wieder auf, und die Spannung an Bord stieg.
Dann zog er rüber auf die linke Seite. Nein, so einen Drill hatte ich noch nicht erlebt. Ich dachte mir nur, jetzt bloß nichts falsch machen. Dann sprang er wieder, dieses Mal aber nur noch ca. 25 Meter vom Boot entfernt. Wir freuten uns riesig über dieses Schauspiel. Mittlerweile lag ich schwitzend im Walkaround zum Bug, um den Salmo in Position zu bringen, dabei immer dieses starke Ziehen und Zerren an der Rute.
Nur noch 7 Meter und ein weiterer Sprung des Tieres, den wir nun in voller Pracht beobachten durften. Jens ließ den Kescher ins Wasser und ein letztes Mal nahm der Fisch Schnur, bevor er nach einem wunderschönen Parallellauf neben dem Boot im Kescher landete. Wir waren überglücklich und freuten uns wie kleine Kinder, denen man ein Eis anbietet. Nach kurzer Zeit dann Gewissheit, einen guten Meter, und ab in die Fischkiste.
|

|
Hochmotiviert nach diesem Silberbarren legten wir wieder alle Ruten aus und dachten uns das da noch einer beißen wird, aber vergebens. Wir beeilten uns rechtzeitig wieder am Hafen zu sein und gaben den Fisch Matthias zum Messen und Wiegen. 101 cm, 9,13 kg. Dann registrierten wir erst die Fische der anderen Teilnehmer.
|
Beeindruckt haben mich Torsten und Markus mit ihrer Kiste voller Silberbarren, die am Ende auch den Hauptgewinn erzielen konnten. Aufgereiht am Gestell leuchteten die Fische im Sonnenuntergang und beeindruckten so manchen Passanten. Unseren Dorsch gaben wir schließlich einer Einheimischen, die sich riesig über den Fang freute.
Am Abend hatte der Bürgermeister, Herr Rüdiger Gau, zu Abendessen und Bier geladen. Wir trafen Bekannte unter anderem Jürgen Haese oder Frank Beissel und viele weitere Namen, die jedem aus der 'Fisch & Fang' bekannt sind, und hatten uns viel zu erzählen. Leider zu spät gingen wir in unserer Ferienwohnung zu Bett.
|
|
|
Am nächsten Morgen schien es uns, als klingelte der Wecker noch früher. Unsere mittlerweile geschundenen Kadaver waren nur schwer davon zu überzeugen, endlich mal in Bewegung zu kommen. Aber ein heißer, starker Kaffee von Heike brachte dann doch das Blut in Schwung und los ging es zum Schaproder Hafen. Das Wetter sah noch recht gut aus, aber starker Wind war für den Nachmittag angesagt.
Nach dem Skippermeeting, Aufrödeln und Startschuß wollten nun viele Teams aufholen. Und ab ging es zu den Hotspots der pommerschen Lachsgewässer. Wieder mal in Nu und toll eingespielt konnten auch binnen kürzester Zeit wieder alle Ruten ausgelegt werden.
|
Aber es schien, als würden die Hornfische aggressiver als am Vortag die Haken belegen. Ständig konnte ich Ruten einholen, um die Köder von den Hornfischen zu befreien. Ich fühlte mich sauwohl. Sonst in meinem Büro zu Schreibarbeit verdonnert bin ich stets glücklich über die wenigen Angeltage an der frischen Luft und die Arbeit an Bord.
Jens und Micha waren etwas geschafft von den zwei vorherigen Tagen, Heiko am Ruder und das Gefühl der schönen 'Langeweile' aufkommend sah ich ein Ziehen am rechten äußeren Planerbord. Also dachte ich, befreist Du mal den Hornfisch. Doch schon als ich die Rute in die Hand nahm und anfing einzuholen spürte ich, dass da mehr sein musste. Und schon ging es los.
|
|
Es wurde mir mühsam eingeholte Schnur wieder genommen und ein spannender Drill weckte schließlich auch Jens und Micha aus ihrem Wachkoma auf. Wir wussten alle, das kann nur Silber sein. Und da sprang der Fisch auch schon in der Nähe des Bootes aus dem Wasser.
Wieder dieses Gefühl im Körper alles richtig machen zu wollen, konzentrierte ich mich auf den wunderschönen Drill. Am Ende konnten wir eine traumhafte Meerforelle von 82cm und 5,68kg ins Boot holen.
|
| |
Nebenbei und fast unbemerkt nahm der Wellengang zu und der Wind frischte auf. Heiko und ich waren immer noch voll konzentriert und plötzlich löste der Clip des linken Downriggers aus. Heiko sprang ran an die Rute und es war klar hier ist etwas Großes. Ebenfalls gab er wieder Schnur preis und kämpfte mühsam um jeden Meter. Am Ende konnten wir uns über einen großen Dorsch freuen, leider kein Weiteres Silber. Auch diesen nahmen wir mit.
|
Die vielen, mittelgroßen Dorsche möchte ich hier nicht erwähnen. Sie sind alle wieder ins Wasser gekommen und dürfen sich über die wiedergewonnene Freiheit freuen. Spürbar war nun der Wellengang. Auf unserer "AIBE" hatte ich jedoch keine Angst. Mittlerweile konnte ich nur noch alleine an den Ruten arbeiten.
Das Revier, einen Tag zuvor liebevoll und verwöhnend, zeigte sich heute von einer seiner rauen Seiten und nur mit sicheren Booten befahrbar. Die Hornfische machten einem das Leben schwer und der Nachmittag war angebrochen, da beschlossen wir, abzubrechen und in den sicheren Hafen zu fahren.
|

|
Dort angekommen brachte Skipper Heiko die MeFo zum Wiegen während wir uns um Boot und Ausrüstung kümmerten, denn am nächsten Morgen sollte es nach Hause gehen. Das Boot wurde gereinigt und die Ausrüstung schon mal im Auto verstaut bevor wir uns mit den Leidensgenossen des schlechten Wetters unterhalten konnten.
Am zweiten Tag wurde auch von den anderen Teams deutlich weniger gefangen. Aber das konnte die im Allgemeinen tolle Stimmung nicht verderben, der Wind war mittlerweile sehr kräftig geworden. Alle freuten sich auf den Festabend im Radisson Ressort.
|

|
Geduscht und guter Laune kamen wir zum Abendessen. Es war ein prächtiges Buffet errichtet worden, auf dem es an nichts fehlte und auch die Stimmung war ausgelassen.
Nachdem alle gesättigt waren traten Matze und Tobias ans Mikro und nahmen den Festakt der Siegerehrung vor. Es gab tolle Preise (gesponsort vorwiegend von Shimano und dem Schleppfischer.de-Versand) und mit unserer Meerforelle konnten wir einen stolzen dritten Platz erzielen.
Gefreut habe ich mich besonders über das gute Abschneiden der Jungs vom Team Bodden-Angeln, die ich als professionelle, angenehme Guides nur empfehlen möchte.
Die abschließende Tombola bescherte übrigens nahezu jedem Teilnehmer einen kleinen Preis, so dass hoffentlich alle Teams ein erfolgreiches 1. Rügener Trollingtreffen in guter Erinnerung behalten werden.
Ich für meinen Teil danke allen Organisatoren und freue mich auf das 2. Rügener Trollingtreffen 2008.
Dr. Stefan Tews
Mai 2007
|
| |
| |
 |
 |
 |
| |
|
 |
 |