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Erlebnisbericht Schweden 2005 (von Andi Weick)
 
"Biss, aah versemmelt "
"Ich hab einen dran, Mist, weg."
"Ich hab einen !"
"Ein Guter ?"
"Er kämpft schon mal gut"
"Ein schöner 70er "
"Was machst du erst, wenn ein Großer beißt ?"
"Dann hau ich dir deinen roten Salmo Jerk um die Ohren !"

So oder ähnlich verlief die Konversation beim Angeln während der diesjährigen Schwedenreise, nachdem die Guides, angeführt vom ortsansässigen Holger Ruoß, sowie unsere Boddenhunter Jörg Schütt und Mathias Fuhrmann ihre Boote in aussichtsreiche Wurfpositionen manövriert hatten.

Dies war nicht immer einfach, da die Schären über eine abwechslungsreiche Bodenstruktur verfügen, die zwar den Hechten optimale Bedingungen liefert, den Bootsbesitzern aber teilweise Schweißperlen auf die Stirn trieb, sobald das Boot durch ein Unterwasserminenfeld aus Steinen und Kanten hindurch bugsiert werden musste.

Doch auch diese Aufgaben konnten die Skipper mit den eingespielten Teams zu je drei Mann fast mühelos meistern. Das tägliche Rotationsprinzip ermöglichte es den Teams , mit jedem Skipper jeweils zwei Angeltage zu angeln.

Für Abwechslung sorgten auch die verschiedenen Angelgebiete, die wir von unserem Gutshaus täglich auf teils abenteuerlichen Straßen anfuhren.

An einem der sechs Angeltage waren wir auf einem größeren Binnensee, ansonsten aber in den Schären unterwegs.

Wir fingen zu zwölft insgesamt über 330 Hechte mit durchschnittlich über 70 cm Länge. Darunter auch vier Meterhechte bis 1,09m und mindestens ebenso viele metrige Aussteiger.

Das Filetieren und verpacken der Hechte nahm viel Zeit in Anspruch. Quatsch, alle Hechte dürfen sich ausnahmslos weiterhin dem Fressen und der Fortpflanzung widmen und uns zu einem späteren Zeitpunkt wieder mit einem Drill beehren.

Die Hechte waren allesamt schön gezeichnet, besonders jene aus dem See, die auch an der Bauchunterseite eine Färbung aufweisen können. Bei unserer Ankunft teilte uns Holger die wettertechnischen Daten mit.

Eine Wärmeperiode wurde wieder durch ein kälteres Klima abgelöst. Trotz Sonnenschein erreichte das Thermometer tagsüber maximal 5 °C bei Nachtfrösten.

Dies hatte Auswirkungen auf das Laichgeschäft der Hechte, die entweder noch nicht damit begonnen hatten bzw. schon fertig waren und deshalb nicht oder nicht mehr im flachen Wasser sondern tiefer standen.

Sobald wir eine Bucht gefunden hatten, die aufgrund Strömung und Sonneneinwirkung eine um mindestens 1°C höhere Wassertemperatur als die Umgebung aufwies, konnten wir mit Hechtbissen rechnen. Als Köder dienten tausende Gummifische und Wobbler bzw. Jerkbaits. Das Beißverhalten veränderte sich beinahe im Minutentakt. Sobald die Sonne hinter einer Wolke hervorkam, war ein glitzernder Körper gefragt. Selbst die Nuance eines Farbtons konnte den Ausschlag für den Biss geben. Dies war bei so vielen Anglern objektiv feststellbar.

Als Geheimwaffe war der rote Salmo Jerk unschlagbar. An manchen Tagen wollten die Hechte ihn einfach schnell eingekurbelt haben, ansonsten gezupft oder gejerkt.

Ein Aufschrei des Entsetzens hallte immer genau in dem Moment übers Wasser, sobald dieser Köder aufgrund Schnurbruch in den ewigen Schärengründen verloren ging. Die Hechte waren dankbar, da vor Ort keine Ersatzbeschaffung möglich war. Bei den Gummifischen hatte Gunnar mit einer violetten Farbvariante die Nase vorn.

Abends wurde dieses Unikat wieder zusammen geflickt, da Nachahmungsversuche ähnlicher Gummifische nicht mit Erfolg gekrönt waren. Bemerkenswert an unserer Männertruppe war die Tatsache, dass der Küchendienst und sonstige Aufgaben nicht geregelt oder delegiert werden mussten. Vom Grillmeister und dessen Helfer hin zum Küchenchef und Spülmaschineneinräumer wurden diese Positionen ohne vorherige Absprache von den dafür nach eigenem Gutdünken berufene Personen besetzt.

Auf meiner rhetorisch gedachten Anfrage hin, ob ich beispielsweise auch Kartoffeln schälen sollte, wurde mir ein Messer in die Hand gedrückt. Nachdem ich aus der ersten geschälten Kartoffel trotz Zeitrekords ein Kartöffelchen gemacht hatte, wurde mir dieses Aufgabengebiet wieder wohlmeinend entzogen.

Was dagegen nur mit Zeitvorsprung und Ablenkungsmanövern gelang, war die Benutzung der einzigen Dusche im Haus. Wasser gab es zwar rund um die Uhr, aber der Vorrat an warmem Wasser war doch recht begrenzt. Ein paar Warmduscher wollten es dann genau wissen, wie viel warmes Wasser der Boiler hergibt. Diese Frage war nach dem dritten Benutzer auch beantwortet.

Nachdem wir bei der Beladung der Fahrzeuge und des mitgeführten Bootes über die enorme Menge an Essen und Getränke noch geschmunzelt hatten, erwies sich die Truppe als hungrige Meute, die auch in diesem Punkt ihre Leistungsgrenzen neu zu definieren wusste. Als Fauxpas erwies sich das dänische Bier, dessen Verbrauch erst mit sinkendem Weinvorrat in die Höhe ging. Dies wird mit Sicherheit bei zukünftigen Touren neu bedacht werden müssen.

Das alltägliche Aufstehritual wurde durch Jörgs Mithilfe sehr erleichtert , der durch den vorhandenen CD-Spieler das Haus mit hitparadenverdächtiger schwedischer Volksmusik beschallte.

Zuhause habe ich diese Musik morgens richtig vermisst, da ich spätestens beim Verlesen der Verkehrsnachrichten wusste, dass ein Arbeits- statt Angeltag bevorstand. Spaß hatten wir morgens auch mit Jacko, dem Hund von Holger.

Wir jagten ihn und er wiederum uns morgens ums Haus, so dass er die Zeit auf dem Boot ohne richtige Bewegungsmöglichkeit gut auf seiner Decke überstehen konnte. Von der Rasse als wasserliebender Hund beschrieben, war doch öfters eine sanfte Einstiegshilfe vonnöten.

Das Trailern der Boote war auch ein Abenteuer an sich. Ohne Holgers Geländewagen wäre es noch abenteuerlicher geworden. Für Aufregung sorgte eine durch das Salzwasser korrodierte Bremse eines Trailers, dessen Kugellager durch die Blockade unbrauchbar wurden. So mussten alle Mann außer Jacko mit anpacken und den Trailer huckepack auf einen anderen Trailer umladen und zu einer Werkstatt fahren. Der griechische Werkstattbetreiber (!) hat ihn tatsächlich wieder bis zum nächsten Tag flott bekommen. Dies müsste m. E. griechischer Rekord sein.

Ich darf hiermit nochmals allen Teilnehmern danken, die durch ihr vorbildliches Verhalten diesen Angeltrip so harmonisch und erholsam mitgestalteten.

 
 
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